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Offizieller Start des Bauprojekt mit Umweltministerin Margit Conrad: Nach zwei Jahren Bauzeit soll für die ganze Stadt ein einheitlicher Schutz vor Hochwasser verwirklicht sein

Die Braubacher sind erleichtert

Anwohner: "Wir haben schon gar nicht mehr daran geglaubt!" - Zahlreiche Zuschauer verfolgten den ersten Spatenstich

"Wir haben schon gar nicht mehr daran geglaubt!" oder "Jetzt schöpfen wird wieder Hoffnung!" waren die Kommentare der Neustädter, die immer wieder das Hochwasser nicht nur vor der Haustür, sondern auch in ihren Wohnungen hatte. Sie alle sind froh über den Startschuss für den zweiten Teil des Hochwasserschutzprojektes Braubach.

BRAUBACH. Als vor einigen Jahren die Braubacher Altstadt die Schutztore schließen konnte und feststellte, dass die Straßen und Häuser, ja sogar mancher Keller trocken blieb, konnten sie aufatmen. Für die Neustädter ging das Warten auf dem Schutz vor der Flut noch einige Jahre weiter. Jetzt begrüßten viele mit ihrer Anwesenheit den Baubeginn des Deiches vor der Neustadt, nehmen gerne Baustellenlärm und zwei Jahren Bauzeit in Kauf. "Wir sind froh, dass es so weit ist!" stellte Renate Caspers fest und erhob gemeinsam mit Nachbarn das Glas auf den ersten Spatenstich, als die Hochwassernotgemeinschaft Braubach im Anschluss an den offiziellen Teil zum Feiern eingeladen hatte. Den jetzt begonnenen Deich wollten sie wohl alle.

Da war nicht verwunderlich, was die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad feststellen konnte: "Bemerkenswert ist, dass die betroffenen Bewohner in besonderem Maße dazu beigetragen haben, dass der Deich so nahe wie möglich an den Häusern entlang geführt werden konnte, indem sie Teile ihrer Hausgrundstücke zur Verfügung gestellt haben. Durch ihren persönlichen Beitrag haben sie das Ziel eines umweltverträglichen, weil retentionsraumschonenden Hochwasserschutzes unterstützt."

Freude bei Kommunalpolitikern, Ratsmitgliedern, bei Gästen aus Lahnstein und bei Braubachs Stadtbürgermeisterin Rita Wolf, die die Gelegenheit nutzte auch dem Stadtrat für seine Einmütigkeit in allen diesbezüglichen Entscheidungen zu danken. "Man war sich immer einig, dass die Rheinanlieger geschützt werden müssen und jeder hat bereitwillig auf andere Bauprojekte verzichtet." "Ein schöner Tag für Braubach!" kommentierte Werner Groß, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Braubach, und Hans-Dieter Gassen, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, betonte, dass der Hochwasserschutz weiterhin hohe Priorität genieße, im Land und für die Menschen.

   Karin Kring

 

Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 07.12.2005, Seite 26.

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"Wir müssen mit dem Strom leben"

HWNG-Vorsitzender Heinz Scholl zum Projekt

Ein ganz besonderer Applaus galt der Hochwassernotgemeinschaft (HWNG) und ihrem Vorsitzenden Heinz Scholl, der den einsetzenden Regen so deutete: "Selbst der Himmel weint Freudentränen, weil wir an diesem Punkt angekommen sind". Er freute sich riesig über das nun in Sicht kommende Gesamtkonzept Braubacher Hochwasserschutz und stellte fest, dass Margit Conrad und ihre Vorgängerin im Amt der Umweltministerin, Klaudia Martini, ihr Versprechen wahr gemacht haben. "Zwei Frauen, ein Wort", scherzte ein strahlender Heinz Scholl. Er blickte zurück in seiner Rede, erinnerte daran, dass 1983 das Wasser innerhalb von fünf Wochen gleich zwei Mal in der Stadt stand. Anstoß zur Gründung der "HWNG Braubach" und zehn Jahre später auch der und der "HWNG Rhein".

"Anfangs wurden wir noch belächelt", erinnerte Scholl, die aus der Not geborenen Gemeinschaften hätten aber auch den Grundstein gelegt für eine kontinuierlichen Arbeit am großen Ziel und der Verbesserung der Lebensumstände der immer wieder vom Hochwasser betroffenen Menschen. Am Rhein - und anderswo. Denn - und das formulierte auch die Umweltministerin in ihrer Rede - die Rheinanlieger sind eine Solidargemeinschaft.

Scholl dankte allen, die über Jahre hinweg an der Verwirklichung des Hochwasserschutzes für Braubach beteiligt waren. "Jetzt können auch die Braubacher aus der Neustadt aufatmen und wieder investieren in ihre Anwesen. Ich hoffe, dass uns das Hochwasser in der Zukunft schont. Aber - wir müssen mit dem Strom leben." (kr)

 

Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 07.12.2005, Seite 26.

Nur zufriedene Gesichter: Zahlreiche Kommunalpolitiker auch aus dem benachbarten Lahnstein, der Präsident der SGD Nord, Hans Dieter Gassen und Landrat Günter Kern waren zum ersten Spatenstich für den Hochwasserschutz Neustadt gekommen (oben), Ministerin Margit Conrad (rechts) war aus Mainz angereist. Der Baubeginn vor allem auch für die Anwohner, die einhellig sagten, dass sie gar nicht mehr geglaubt haben, dass dieser Tag einmal kommen wird, ein Grund zum Feiern (links).   Fotos: Karin Kring