Hochwasserschutz auf Kosten der Kinder

Kindergarten und Marksburg-Schule leiden unter Verzögerungen an der Großbaustelle - Struktur- und Genehmigungsdirektion reagiert nicht auf Anfragen

Der Hochwasserschutz für die Braubacher-Neustadt wird ein Segen - wenn er denn mal fertig ist. Zurzeit wächst nur der Unmut bei den Baustellen-Anliegern; die Arbeiten hinken dem Zeitplan hinterher.

BRAUBACH. Im Umfeld der Baustelle zum Hochwasserschutz für die Braubacher Neustadt wächst die Unzufriedenheit der Baustellennachbarn. Termine werden nicht eingehalten, Grund stücke, Gärten und Garagen sind nicht erreichbar, und die zuständige Behörde - die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord - hüllt sich in Schweigen.

"Ich bin stocksauer", so ein Anwohner der Charlottenstraße. "Ich habe jemanden von der Baustelle gefragt, wann ich endlich wieder in meinen Garten kann. Die Antwort war: "Stellen Sie sich nicht so an. Wenn wir hier nicht bauen würden, würden Sie beim nächsten Hochwasser wieder absaufen!"

"Vorübergehend" sollte so manches Grundstück für die Bauarbeiten genutzt werden. Rund drei Monate waren es, die die Nutzung der Außenfläche des Kindergartens "Rabennest" dauern sollte - inzwischen können die Kinder seit einem Jahr nicht mehr auf ihren Spielplatz. "Ich weiß gar nicht mehr, wie oft der Fertigstellungstermin verschoben wurde", sagt Pfarrer Stephan Neis als Chef der Tagesstätte. "Man weiß ja auch gar nicht, mit wem man es da überhaupt zu tun hat", so Neis, der die bisherige Geduld der Elternschaft in der Angelegenheit bewundert. "Ständig sind andere Architekten zuständig, und von dieser Behörde hat auch noch nie einer mit uns gesprochen", macht Neis seinem Ärger Luft.

"Die Behörde" ist die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord. Auch für die Rhein-Lahn-Zeitung war man dort nicht zu einer Stellungnahme bereit. Fachlich zuständige Sachbearbeiter verwiesen auf die "grundsätzliche Bearbeitung aller Anfragen durch die Pressestelle" - dort "kümmerte" sich lediglich der Anrufbeantworter um die dringenden Belange.

Ähnliches hat auch die Verbandsgemeindeverwaltung zu spüren bekommen. Eine erste Anfrage von Bürgermeister Werner Groß nach zahlreichen Beschwerden Braubacher Bürger beantwortete die SGD überhaupt nicht, ein zweiter Brief wartet auch schon 14 Tage auf Antwort.

Heinz Scholl von der Hochwasser-Notgemeinschaft Braubach weiß von den Problemen der Anwohner und auch von den Schwierigkeiten des Kindergartens und der Marksburg-Schule. Auch dort ist der Außenbereich mit Kleinspielfeld, Sportanlagen und "grünem Klassenzimmer" betroffen. Scholl wirbt aber für Verständnis: "Das sind alles Nebenwirkungen. Der grobe Zeitplan ist aber durchaus im Rahmen. Zurzeit ist die Untergrundabdichtung kurz vor der Fertigstellung." Im Gegensatz zu den Betroffenen hat Scholl Kontakt zur SGD, zum Beispiel bei turnusmäßigen "Baustellengesprächen", und weiß deshalb auch über Details Bescheid: "In einigen Punkten hat es wohl Verzögerungen gegeben, das Land und die Baufirma mussten ein paar ernste Worte wechseln", erzählt Scholl. Im Moment wird "zügig weitergearbeitet", so Scholl. Er hofft, dass "die aktuellen Niederschläge nicht zu einem Hochwasser führen, denn dann wäre der Zeitplan wirklich in Gefahr." Außerdem verweist er auf die Notwendigkeit des Gesamtprojekts. "Wenn es erst mal fertig ist, ist alles besser". Das sieht auch Pfarrer Neis so: "Das mag ja sein, aber mich ärgert, dass Kinder die Leidtragenden sind und wir ständig vertröstet werden."

Willi Willig

Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 02.03.2007, Seite 21.