Braubach: Neuer Baustopp droht

Hochwasserschutz: Streit zwischen Behörde und Baufirma scheint zu eskalieren - Vorwurf: Bleihaltiges Material soll in Gärten

Die Bauarbeiten zum Hochwasserschutz der Braubacher Neustadt stehen anscheinend unter keinem guten Stern. Nach einem sechswöchigen Baustopp zum Jahreswechsel hinken die Arbeiten weit hinter dem Zeitplan her - und hinter den Kulissen des Millionenprojektes brodelt es gewaltig.

BRAUBACH. Beim Hochwasserschutz der Braubacher Neustadt droht ein neuerlicher Baustopp. Darauf deutet zumindest vieles hin, nachdem es offensichtlich zu massivem Streit zwischen Bauherr und ausführender Baufirma gekommen ist. Gegenseitig werfen sich die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord und die Baufirma Budau vor, Schuld am Verzug im Zeitplan zu sein und Verpflichtungen nicht zu erfüllen.

Nachdem sich Eltern und Träger des Kindergartens "Rabennest", der schon neun Monate(!) länger als geplant auf die Wiederherstellung seiner Außenspielfläche wartet, über die Situation beschwert hatten, nahm jetzt SGD-Präsident Hans-Dieter Gassen persönlich Stellung und wies die Verantwortung weit von sich und seiner Behörde.

"Der Zeitplan ist ganz eindeutig ins Hintertreffen geraten. Das ist ist aber definitiv nicht Schuld der SGD", so Gassen. "Der Bauzeitenplan wurde durch die ausführende Firma Budau nicht eingehalten. Die Begründungen, die die Firma dafür gibt, akzeptieren wir nicht. Hier wird sehr gewissenhaft geprüft - schließlich geht es um Steuergelder", so Gassen. Laut Gassen wären die Verzögerungen im Zeitplan sogar noch ohne Mehrkosten einzuholen, "wenn sich die Firma ihres Auftrages bewusst wäre".

Die Vorwürfe der Koblenzer Behörde weist der Chef der Baufirma, Dr. Uwe Budau, entschieden zurück. "Die Planung ist mehr als mangelhaft", erklärt der Unternehmer, dessen Firma Großbaustellen unter anderem am Frankfurter Flughafen, für die Landesgartenschau in Bingen, am Eurobahnhof in Saarbrücken und am Trierer Hauptbahnhof und an mehreren Krankenhäusern und Kliniken unterhält. "Das Übel fing damit an, dass die Belastung des Erdreiches nicht in der Ausschreibung enthalten war", schildert Budau. Ein erster sechswöchiger Baustopp (die RLZ berichtete) war zum Jahreswechsel die Folge. "Wir haben 14 000 Tonnen belastetes Erdreich abgefahren. Das kostet uns mehr als 40 Euro die Tonne. Die SGD will aber nur 12,50 Euro bezahlen, weil das angeblich früher auch nur so viel gekostet hat", schildert Budau. "Insgesamt will die SGD die Gesamtrechnung aber um rund 1,6 Millionen Euro kürzen", schildert Budau. Das wären immerhin rund ein Viertel des gesamten Auftragsvolumens.

Auch beim Thema Wiederherstellung des Kindergartenaußengeländes gehen die Schilderungen von Bauherr und ausführender Firma weit auseinander. "Wir haben die Firma schriftlich aufgefordert, am 28. Februar mit der Sanierung zu beginnen, die bis zum 16. März abgeschlossen sein muss", erläutert Gassen für die SGD. "Wir hätten das lange getan, haben aber nach mehrmaliger Aufforderung erst im Dezember erste Pläne bekommen. Und erst in der vergangenen Woche wurde entschieden, wie das konkret aussehen soll", erklärt Budau. Insgesamt schließt Uwe Budau einen neuerlichen Baustopp am Hochwasserschutz nicht aus. "Wir haben auch beim letzten Baustopp die Arbeiten wieder aufgenommen, als die ausstehenden 450 000 Euro gezahlt wurden."

Schwere Vorwürfe erhebt der Chef der Baufirma im Bezug auf weiteren mit Blei belasteten Boden auf der Baustelle. "Die SGD will von uns, dass wir den bleihaltigen Boden wieder in die Gärten einbauen. Das machen wir nicht. Das ist gesundheitsgefährdend. Und die von uns geforderte Unbedenklichkeitsbescheinigung und Freistellungserklärung von allen Ansprüchen hat man uns verweigert", so Budau. (ww/jgm)

Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 03.03.2007, Seite 19.