Die altehrwürdige Barbarakirche zu Braubach bot am Freitag den 12. April der HWNG den Ort ihrer Jubiläumsfeier. Der erste Vorsitzender Florian Gerkens begrüßte zunächst die Mitglieder und Gäste und dankte der evangelischen Kirchengemeinde für die Gastfreundschaft. Pfarrer Martin Stock verwies in seinen Grußworten auf die Häufigkeit der Hochwässer, die die Kirche in ihrer jahrhundertjährigen Geschichte erlebt habe. Zahlreiche Gäste aus Politik, Behörden und Institutionen fanden den Weg nach Braubach. Unter anderen folgten der Einladung Vertreter des THW-Ortvereins Lahnstein, dem DRK-Ortsverein Braubach, die ehemaligen VG-Bürgermeister Hans-Dieter Ilgner und Werner Groß und der ehemalige Stadtbürgermeister Albert Dörschug. Besondere Aufmerksamkeit erhielt Achim Hütten, ehemaliger OB der Stadt Andernach und zugleich Schirmherr der HWNG-Jubiläumsfeier. Achim Hütten ist Ehrenvorsitzender der Hochwassernotgemeinschaft Rhein.
Schirmherr Achim Hütten; Foto: Simone Wernecke
Mit dem Prolog zu Carl Zuckmayers „Des Teufels General“ nahm er Bezug auf den einmaligen Schlag der Rheinländer mit ihrer Vielfalt und Solidarität, die sich allen voran nach der Ahrflut gezeigt habe. Mit den Aussagen „Wir sitzen alle in einem Boot“ und „Die Oberlieger dürfen den Unterliegern keinen Schaden zuführen“ spannte Hütten den Bogen zur Verantwortung der Rheinanlieger. Der zweiten Aussage sei anzumerken, dass die Rheinbegradigung des Oberrheins das Hochwasserrisiko am Mittelrhein verschärft. Die HWNG Braubach war Vorreiter und Namensgeber für weitere Interessenvertretungen, so Hütten. Nicht zuletzt habe die HWNG Rhein heute knapp 70 Mitglieder aus Kommunen, Institutionen und Bürgerinitiativen. Die belebenden Worte des Schirmherrn werden vielen noch lange in Erinnerung bleiben.
Florian Gerkens und Ehrenmitglied Heinz Scholl führten durch die Geschichte der HWNG und berichteten von dem Kampf für einen Hochwasserschutz mittels einer Präsentation. Höhepunkt war zweifelslos der Beitrag aus dem ZDF Heute-Journals von 1983. Der 4-minütige Beitrag schilderte die bedrückende Situation während des zweiten Hochwassers im April 1983. Für Hotelierin Erika Hammer stellte sich die Frage der Sinnhaftigkeit, unter diesen Umständen ein Geschäft zu führen. Dieses Doppelhochwasser war die Initialzündung zur Gründung der Hochwassernotgemeinschaft. Zunächst als informelle Zusammenkunft entschlossener Bürger und ab 1984 schließlich als eingetragener Verein. In den nächsten Jahren musste gegen viele Widerstände angegangen und Überzeugungsarbeit in der Politik und bei der Bevölkerung geleistet werden. Zu dieser Zeit bekam die HWNG Unterstützung durch die Stadt Köln. Aufgrund privater Initiative stand das Amt für Tiefbau und Stadtentwässerung, zuständig für den Hochwasserschutz, mit fachlichem Rat zur Seite. Heute ist Braubach eine der wenigen Gemeinden am Rhein mit einem wirkungsvollen Hochwasserschutz. Die Aufgaben reichen jedoch heute weiter. Von großer Bedeutung ist nunmehr auch die Vorsorge gegen Starkregenereignisse. Dass die HWNG auch einen Schritt weiterdenkt, tritt mit der Idee eines Bypasses durch den Straßentunnel einer möglichen Ortsumgehung der L335 zu Tage. Dieser Bypass soll bei Starkregen zusätzlich Wasser aus dem Dachsenhäusertal direkt in den Rhein leiten und das Schutzziel des Regenrückhaltebeckens erhöhen. Zu diesem Zweck unterhalten Bürgerinitiative Braubach Lebenswerter e.V. und HWNG gegenseitig Mitgliedschaften. Der Vortrag wurde abgeschlossen mit der Frage: „Welche Perspektive hätte Braubach ohne Hochwasserschutz?“. Gerkens ließ die Frage als Anreiz zum Nachdenken unbeantwortet. Wie oft können Bürger und Einwohner in ihr Gewerbe und in die Erhaltung ihrer Immobilien oder Wohnungen zur Schadensbeseitigung investieren? Welche Entwicklung würden die Anwesen in den Überflutungsgebieten des Weltkulturerbes nehmen?
Grußworte aus Politik, Institutionen und Gesellschaft Anschließend folgten Grußworte vom Stadtbürgermeister Joachim Müller, VG-Bürgermeister Mike Weiland, MdL Roger Lewentz, Wehrführer Alexander Proff, Brand- u. Katastrophenschutzinspekteur Guido Erler, Bürgermeister Adalbert Dornbusch (Lahnstein) und Walter Ludwig HWNG Lahnstein. Den Grußworten gemeinsam ist die Anerkennung in die erbrachte Leistung der HWNG. Insbesondere Heinz Scholl, 1. Vorsitzender von 1984 bis 2024, wusste mit dem richtigen Fingerspitzengefühl alle Akteure zu vereinigen, um das Ziel eines Hochwasserschutzes für Braubach zu realisieren.
v.L.n.R.: Dieter Merx, Heinz Scholl, Klaus Maeckel, Ulla Schul, Walter Gerkens, Florian Gerkens
Der Festakt anlässlich der 40 Jahrfeier in der Barbarakirche endete mit Ehrung der ersten Mitstreiter und für Dienste in der Vorstandsarbeit. So wurden Ulla Schul, Klaus Maeckel, Walter Gerkens und Dieter Merx die Ehrenmitgliedschaft verliehen.
Überreichung des Spendenschecks an die Jugendfeuerwehr Braubach
Heinz Scholl und Florian Gerkens überreichten anschließend einen Scheck über 400€ an die Jugendfeuerwehr Braubach. Der Betrag soll helfen, das Bewusstsein für Hochwasser- u. Starkregengefahren in der jungen Generation zu schärfen. Ist doch die Freiwillige Feuerwehr die erste ehrenamtliche Kraft, die im Einsatzfall tätig wird.
Das ZDF Heute-Journal zu Gast in Braubach
Höhepunkt zuletzt war die Auszeichnung der Vertreter von Presse, Rundfunk und Fernsehen. Fakten statt Fake-News war Heinz Scholls Schlagwort. Für die 40-jährige, mediale Begleitung dankte die HWNG mit der Urkunde „Pegelauge“. Objektive Berichterstattung ist eine wichtige Unterstützung für die Geschädigten wie auch für Bürgerinitiativen. Verliehen wurde die Urkunde an Michael Stoll (Rhein-Lahn-Zeitung), Ursula Barzen (Regionalstudio SWR) und an das ZDF. Dr. Wulf Schmiese, Chefredakteur und Christian Kirsch Chefreporter des ZDF Heute-Journals waren dafür gerne persönlich der Einladung der HWNG in die Barbarakirche gefolgt. In ihren Grußworten unterstrichen Schmiese und Kirsch die Schwierigkeit der Redaktionsarbeit Weltpolitik und das Geschehen bei der Bevölkerung vor Ort in 28 Minuten Sendezeit zu verpacken. Dr. Schmieser betonte die Wichtigkeit des Ehrenamts und der Berichterstattung auf örtlicher Ebene in der heutigen Zeit. Musikalisch wurde der Abend von der Gruppe „AHRtalblech“ begleitet. Die 2 Frauen und 5 Männer spielten unentgeltlich als Dank für die von Braubachern geleistete Arbeit nach der Ahrflut. An dieser Stelle sei nochmals der Gruppe SolidAHRität aus Braubach gedankt, die sich tatenreich über Wochen an der Ahr engagierte.
v.L. Florian Gerkens, Heinz Scholl, Dr. Wulf Schmiese uns Christian Kirsch