Hochwasser als ständiger Begleiter
Das Rheinstädtchen Braubach lebt seit jeher mit dem Wasser. Ein vollgelaufener Keller gehörte früher fast zum Alltag – Anlass zur Sorge gab es selten. Doch seit den 1970er-Jahren nahm die Zahl schwerer Hochwasserereignisse stetig zu. Immer häufiger drang das Wasser tief in den Ort ein und machte auch vor Wohn- und Geschäftsräumen nicht halt. Diese Entwicklung veranlasste eine Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger, sich für einen wirksamen baulichen Hochwasserschutz einzusetzen.
Die Gründung der HWNG
Der Auslöser war das Doppelhochwasser im Frühjahr 1983: Innerhalb von fünf Wochen erreichte der Braubacher Pegel zweimal rund 8,50 Meter. Nach mehreren informellen Treffen gründete sich im Jahr 1984 die Hochwassernotgemeinschaft Braubach (HWNG).
Zum ersten Vorsitzenden wurde Heinz Scholl gewählt, der das Amt über beeindruckende 40 Jahre hinweg führte.
Die ersten Jahre standen ganz im Zeichen intensiver Überzeugungsarbeit. Ziel war es, den Gedanken eines Hochwasserschutzes in Politik und Bevölkerung zu verankern.
Erste Rückschläge
Nicht jeder Kommunalpolitiker und nicht jede Einwohnerin stand der Idee eines Hochwasserschutzes zunächst offen gegenüber. Nachdem vor Ort Einigkeit erzielt werden konnte, beauftragte das damals CDU-geführte Land Rheinland-Pfalz eine Machbarkeitsstudie. Das Ergebnis fiel jedoch ernüchternd aus: Ein wirksamer Hochwasserschutz sei technisch kaum machbar, und die Kosten stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen.
Unterstützung aus Köln
Hilfe kam aus unerwarteter Richtung. Die Mitbegründerin und Hotelierin Erika Hammer nutzte ihre Kontakte zum damaligen Kölner Oberbürgermeister Norbert Burger.
Die hochwassererfahrene Stadt Köln war zu jener Zeit bereits vorbildlich im Schutzsystem gegen den Rhein organisiert. Auf dem „kurzen Dienstweg“ beauftragte OB Burger das Amt für Stadtentwässerung, die Situation in Braubach zu prüfen. Das Ergebnis der Kölner Fachleute war eindeutig: Ein baulicher Hochwasserschutz war technisch sehr wohl möglich. Damit begann ein langer Weg aus Lobbyarbeit, Geduld und fachlicher Überzeugungskraft, der schließlich auch das Land Rheinland-Pfalz zu einer Neubewertung bewegte. Rückblickend betrachtet fehlte in den 1980er-Jahren vor allem der politische Wille, in kleinere Rheingemeinden wie Braubach zu investieren. Die staatlichen Mittel konzentrierten sich auf größere Städte wie Koblenz.

